Prolog


»Beeil dich! Wir müssen los!«, rief Papa von unten.

»Ich komme gleich!«, antwortete Emily und suchte mit steigender Nervosität in ihrem Zimmer herum.

Wo hatte sie nur ihre Tasche hingelegt?

Nancy hatte sie darauf vorbereitet, doch ihr Tod hatte Emily emotional so sehr aufgewühlt, dass es ihr schwergefallen war, den Alltag zu strukturieren. Nach dem Streit zwischen Papa und Kellan hatte sie auch nicht mehr daran geglaubt, dass er es doch noch finden würde. Somit war sie völlig unvorbereitet gewesen, als er das Buch vorhin nach Hause gebracht hatte.

Sie fand ihre Umhängetasche unter dem Bett. Das war genug für die leichtes Gepäck für die Reise, und griff nach ihrem Büchlein, um dieses als erstes einzupacken.

Doch mitten in der Bewegung erstarrte sie, denn in dem Moment blitzte ihr Schutzgeist vor ihrem inneren Auge auf und sie fühlte den versuchten Angriff. Doch er verwehte im Äther, bevor er sich manifestieren konnte.

Etwas ist passiert!

Übelkeit überrollte Emily und sie fühlte den Stich in ihrem Herzen. Ihre Eltern!

Krank vor Sorge rannte sie zu der Bodenklappe und stürzte förmlich die Leiter hinab.

»Mama! Papa!«, rief sie. Niemand antwortete. Das Wohnzimmer war leer. Ihr Blick traf das Buch auf dem Tisch, wegen dem Papa überhaupt zurück in die Bibliothek gegangen war. Das Buch, um das Nancy ihn förmlich angebettelt hatte. Das Buch, das nicht hier in Fenhole sein durfte.

Aus einem inneren Impuls heraus, steckte Emily es in ihre Tasche und lief zum Schlafzimmer.

»Mama! Papa!!«

Sie stieß die Tür auf und schrie.

»Nein!!«

Eine eisige Hand schien ihr Herz zerdrücken zu wollen und Tränen flossen aus ihren Augen. »Nein!!“

Ihre Eltern standen im Zimmer, doch alles Leben war ihnen entrissen worden. Sie hatten es nicht kommen sehen und nicht bemerkt, wie es ihnen jeden Tropfen Lebenssaft entzog.

Emily fiel auf die Knie und schluchzte hemmungslos. Warum hatte sie ihre Eltern nicht beschützt? Warum hatte sie es nicht ahnen können, dass Sie es tun würde!

»Mama…«, schluchzte sie. »Papa…«

Tot, sie sind tot…

Jemand betrat die Veranda und brachte die Holzdielen zum Knarren. Emily fuhr zusammen und schlug sich die Hände vor den Mund, um jedes weitere Geräusch zu unterdrücken. Mit den Augen verfolgte sie die Schritte, die sich über die Veranda zum Schlafzimmerfenster bewegten.

Ein massiger schwarzer Schatten erschien vor der Öffnung und starrte mit bösartigen glühenden Augen herein. Panisch wich Emily zurück und fuhr herum, als hinter ihr jemand die Türklinke der Haustür herunter drückte.

Sie sind hier!

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